Tai Ji

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, ist auch Tai Ji eine Praktik der Lebenspflege (Yang Sheng). Viele Tai Ji-Übungen tragen in sich zum Teil Aspekte der Kampfkunst (Tai Chi Chuan = „Schattenboxen“.)

Das Schriftzeichen "Tai Ji" bedeutet sinngemäss: Ein Mensch, der zentriert ist. In sich ruhend, in Bewegung und im Einklang mit der Natur lebend (Baum). Er steht auf der Erde und ist mit dem Himmel verbunden. Er verbindet in sich Himmel und Erde, Geist und Materie. Dies weist auf die umfassende und grundlegende Dimension des Chinesischen Welt- und Selbstbildes hin. 

Die Tai Ji-Formen werden in langsamen und sanften Bewegungsabläufen "getanzt". Von aussen erscheint der gleichmässige Fluss der einzelnen Bewegungen wie eine Einheit. Es ist auf eine Weise so, als ob wir eine Geschichte erzählen, welche Satz für Satz fliessend ineinander übergeht. Es handelt sich meistens um eine Geschichte über die Harmonie und das dynamische Wechselspiel von Yin und Yang. In diesem steht der Mensch verwurzelt in der eigenen Mitte und verbindet in sich Himmel und Erde.

Tai Ji kann von jedem Menschen, unabhängig von Alter oder Konstitution, gelernt und geübt werden.


Der Himmel spricht nicht. Er offenbart alle seine
Geheimnisse in zwei Bildern: Sonne und Mond.
Er spricht nicht direkt zum Menschen,
sondern indirekt – durch die Blume-,
in diesem Falle durch Sonne und Mond.
Das Prinzip der himmlischen Methode.
Die Natur ist der Makrokosmos, der Mensch der Mikrokosmos.
Was es im Makokosmos gibt, spiegelt sich im Mikrokosmos,
sozusagen als Spiegelbild er Natur.

Xin-Yi

Auf der ganzen Welt gibt es nichts Weicheres
und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.
Dass Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiss jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.

Laotse